{"id":70,"date":"2014-09-18T10:03:55","date_gmt":"2014-09-18T08:03:55","guid":{"rendered":"http:\/\/welt-der-kinder.gei.de\/?page_id=70"},"modified":"2022-12-22T16:00:05","modified_gmt":"2022-12-22T15:00:05","slug":"ziele","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/welt-der-kinder.gei.de\/?page_id=70","title":{"rendered":"Ziele"},"content":{"rendered":"<h2><span style=\"text-decoration: underline;\">Ziele<\/span><\/h2>\n<p>Das Projekt verfolgt (1.) das Ziel, Repr\u00e4sentationen und Deutungen der Welt f\u00fcr eine Periode zu erforschen, die durch eine enorm beschleunigte Wissenserzeugung und -distribution sowie eine Verflechtung von Nationalisierungs- und Globalisierungsprozessen gepr\u00e4gt wurde. Im Zentrum stehen jene \u201aWeltbilder\u2018, mit denen Kinder und Jugendliche im 19.\/fr\u00fchen 20. Jhd. aufgewachsen sind.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr erschlie\u00dft das Projekt mit Schul- und Kinderb\u00fcchern (2.) einen Medientypus, der Millionen Staatsb\u00fcrger gepr\u00e4gt hat, aber noch nie mit einem komplexen und integrativen Ansatz auf Formen, Zirkulationen und Transformationen von gesellschaftlichem Wissen untersucht worden ist. Zwar existieren Einzelstudien, doch wissen wir in der Breite wenig \u00fcber die Bilder, die sich junge Menschen in einer durch Beschleunigung, Fortschritt und Traditionsverlust gepr\u00e4gten Zeit von \u201eihrer\u201c Welt machen konnten. Zeittypische Tableaus sozial legitimierten Wissens und Dispositive, die die Vorstellungswelten gr\u00f6\u00dferer Gruppen von Kindern im Untersuchungszeitraum ma\u00dfgeblich beeinflusst haben (k\u00f6nnten), sind noch kaum erforscht, denn bislang fehlte es an Instrumenten, um einen gro\u00dfen Korpus von Schul- und Kinderb\u00fcchern unter solchen Fragestellungen zu analysieren.<\/p>\n<p>Das (3.) Ziel lautet daher, in der Analyse ausgew\u00e4hlter Quellenbest\u00e4nde hermeneutische Verfahren mit Methoden und Technologien zur Erschlie\u00dfung und wissenschaftlichen Annotation gro\u00dfer Textmengen zu verbinden. Das Projekt will in transdisziplin\u00e4rer Arbeit neue Wege der Erkenntnisgewinnung erschlie\u00dfen, ihre Reichweite in Bezug auf etablierte qualitative Verfahren reflektieren und Grenzen historischer Forschung verschieben. Aktuelle Informatik-Verfahren wie Topic Detection und Opinion Mining werden bislang bevorzugt f\u00fcr Medien unserer Zeit angewendet.<\/p>\n<p>Dass sie nun f\u00fcr Texte erprobt werden sollen, die eine der Sprache und Kultur des 19. Jhds. entsprechende semantische Struktur aufweisen, geh\u00f6rt (4.) zu den anspruchsvollen informatischen Zielen dieses Projektes, das aus mehreren Gr\u00fcnden methodisch explorativ ist: Quellen des 19. Jhds. wurden noch nicht f\u00fcr die Analysen von deutungsbehafteten Texten genutzt und auch die Spezifika von Kinder- und Jugendb\u00fcchern erfordern computerlinguistische Grundlagenforschung; anders als bei der Meinungsanalyse mit Standard-Korpora sind hier keine annotierten Trainingskorpora verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<h2><\/h2>\n<h2>Georg-Eckert-Institut (GEI) Leibniz-Institut f\u00fcr internationale Schulbuchforschung in Braunschweig<\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Projekt wird durch eine hohe Bereitschaft zur Inter- und Transdisziplinarit\u00e4t in der Kooperation zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus zwei Leibniz-Einrichtungen, drei Universit\u00e4ten und zwei Forschungsbibliotheken getragen. Das <strong>GEI<\/strong> gew\u00e4hrleistet als Koordinierungsstelle die projektinterne Abstimmung, die Metadatenbearbeitung sowie die erg\u00e4nzende Digitalisierung\/OCR-Bearbeitung und realisiert die historische Analyse.<\/p>\n<p>Der vom GEI zur Verf\u00fcgung gestellte Quellenkorpus besteht aus urheberrechtsfreien deutschsprachigen Schulb\u00fcchern, die seit 2009 mit F\u00f6rderung durch die DFG und in Kooperation mit anderen Bibliotheken digitalisiert wurden. Der ins Projekt einflie\u00dfende Bestand von <b>GEI-Digital<\/b> umfasst zurzeit 3.500 B\u00e4nde (900.000 Seiten), davon ca. 2.100 deutsche Geschichtsschulb\u00fccher des Kaiserreichs.<\/p>\n<p>Nirgendwo sonst existiert ein so kompakter umfangreicher Bestand an rechtefreien historischen Schulb\u00fcchern auf Basis aktueller Standards. Er bot sich deshalb als Kern des Projekts an, in dem die Leistungsf\u00e4higkeit neuer Technologien f\u00fcr die Bearbeitung geisteswissenschaftlicher Forschungsfragen auch zur Nachnutzung getestet wird.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Das Deutsche Institut f\u00fcr Internationale P\u00e4dagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt a. M.\/TU Darmstadt<\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Ubiquitous Knowledge Processing (UKP) Lab an der TU Darmstadt wendet Topic Modelling in verschiedenen Varianten sowie verwandte Methoden f\u00fcr die Nutzung mit den spezifischen Daten des Projekts an und evaluiert diese. Auf Basis aktueller Forschungsergebnisse aus dem Bereich des Natural Language Processing werden Methoden zur automatischen Textanalyse entwickelt und angepasst sowie f\u00fcr die Integration in die Benutzerschnittstelle implementiert.<\/p>\n<p>Das UKP extrahiert automatisch mit un\u00fcberwachten (unsupervised) und weakly supervised Methoden die im Textkorpus behandelten Themen und modelliert, quantifiziert und analysiert zentrale Konzepte. In st\u00e4ndigem Austausch mit den Projektpartnern werden die dabei generierten Modelle auf die speziellen Bed\u00fcrfnisse aus geschichtswissenschaftlicher Sicht optimiert und neue Erkenntnisse \u00fcber die (semi-)automatische Anpassung bekannter Methoden an die Eigenschaften spezieller Datens\u00e4tze wie dem Schulbuchkorpus aus Welt der Kinder gewonnen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Das Institut f\u00fcr Informationswissenschaft und Sprachtechnologie (IWIST) in Hildesheim<\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Teilprojekt am <b>IWIST<\/b> forscht zu \u201eBedarfsanalyse, Entwicklung und Evaluierung der interaktiven Forschungsschnittstelle zwischen Mensch und Maschine f\u00fcr Digital Humanists\u201c. Zentral ist die Benutzerperspektive, die das Verhalten z. B. von Dom\u00e4nenexperten bei allen informationellen Vorg\u00e4ngen und der Gestaltung artifizieller Systeme ber\u00fccksichtigt. \u00dcber verschiedene Methoden, Befragungen und videogest\u00fctzte Arbeitsbeobachtungen und -analysen erhebt das IWIST die konkreten Informationsbedarfe der Historiker und erfasst den Ablauf der Informationsprozesse. Des Weiteren wird bestimmt, welche Algorithmen das System mit welchen Parametrisierungsm\u00f6glichkeiten, Optionen und Ausgaben zur Verf\u00fcgung stellen soll. Das IWIST \u00fcbernimmt \u2013 bezogen auf den Informationsbedarf \u2013 die Gestaltung der Benutzungsoberfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Das Forschungsinteresse am IWIST im Rahmen des Projektes zielt auf die Analyse von dom\u00e4nenspezifischem (Fach-)Informationsverhalten ab und dessen Generalisierung. Auch Forschungen zur Eignung von Methoden stehen im Fokus.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Institut f\u00fcr Popul\u00e4re Kulturen (ISEK) in Z\u00fcrich<\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Schwerpunkt Kinder- und Jugendmedien am <strong>ISEK<\/strong> der Universit\u00e4t Z\u00fcrich widmet sich schriftbasierten, bildbasierten und audiovisuellen Produkten in unterschiedlichen Text-Bild-Ton-Kombinationen und Medien. Gegenstand sind spezifische oder intentionale Kinder- und Jugendmedien in Vergangenheit und Gegenwart. Sie werden vorwiegend im Hinblick auf ihre Deutungsangebote und Bedeutungszuschreibungen untersucht.<br \/>\nUnser Interesse an diesem Projekt besteht in der Vernetzung der Kinder- und Jugendliteraturforschung mit der Schulbuchforschung.<br \/>\nEine im Rahmen des Projekts vom ISEK mit ausgerichtete internationale Tagung an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich im Februar 2016 soll der Vorstellung von Projektergebnissen in der <em>scientific community<\/em> und dem Austausch mit Fachkollegen dienen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>SCHWEIZERISCHES INSTITUT F\u00dcR KINDER- UND JUGENDMEDIEN (SIKJM) IN Z\u00dcRICH<br \/>\n<!--more--><\/h2>\n<p>Die Bibliothek des <strong>SIKJM<\/strong>, eines assoziierten Instituts der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, verf\u00fcgt \u00fcber eine in der Schweiz einzigartige Sammlung von Kinder- und Jugendb\u00fcchern seit dem 17. Jahrhundert. Sie umfasst rund 50\u2019000 Titel, darunter zahlreiche B\u00e4nde des 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhunderts. Teile des \u00e4lteren Bestandes sind auf der <a href=\"http:\/\/www.e-rara.ch\/sikjm\">e-rara-Plattform<\/a> frei zug\u00e4nglich.<br \/>\nDas SIKJM stellt dem Quellenkorpus des Projektes ggf. weitere Kinderb\u00fccher zur Verf\u00fcgung und beteiligt sich an der Organisation der obengenannten Tagung an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Bayrische StaatsBibliothek (BSB) in M\u00fcnchen<\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Angereichert wird der Quellenkorpus durch Kooperation mit der Bayerischen Staatsbibliothek. Die BSB hat im Rahmen ihrer Public-Private-Partnership mit Google Inc. bereits einen gro\u00dfen Teil ihrer urheberrechtsfreien Best\u00e4nde digitalisiert und macht diese Best\u00e4nde \u00fcber ihren OPAC und andere Portale wie z. B. Europeana verf\u00fcgbar. Die BSB bringt einen Bestand von ca. 200 bis 400 Schulb\u00fcchern (vor 1870) ins Projekt ein. Au\u00dferdem wird eine entsprechende Anzahl Kinder- und Jugendb\u00fccher nutzbar gemacht.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Bibliothek der TU Braunschweig<\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die UB Braunschweig bringt seine Sammlung deutschsprachiger <b>Kinder- und Jugendliteratur (KJL)<\/b>, Teil der fr\u00fcheren &#8222;Sammlung Hobrecker&#8220;<b> <\/b>ins Projekt ein. Diese beinhalten mehrere literarische Genres (Abenteuerromane, Robinsonaden, moralisch-religi\u00f6se Geschichten, Heimatgeschichten, Gedicht- und Liedersammlungen).<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>G\u00f6ttingen Centre for Digital Humanities (GCDH)<\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"ox-3693d8be1c-MsoNormal\">Schul- und Kinderb\u00fccher haben im Laufe des 19. Jahrhunderts ganz unterschiedliche Themen emotional besetzt, andere eher beil\u00e4ufig behandelt. Mit Verfahren der Sentiment-Analyse untersuchen wir die wechselnde emotionale Aufladung von Themen, die das Weltbild der Kinder im 19. Jahrhundert gepr\u00e4gt haben.<\/p>\n<p class=\"ox-3693d8be1c-MsoNormal\"><strong>Sentiment-Analyse<\/strong> ist ein Verfahren, um anhand von Emotionsw\u00f6rtern, ihrer Verteilung und ihren H\u00e4ufigkeiten etwas \u00fcber die wechselnde Emotionalisierung von Themen herauszufinden. Dieses Verfahren findet \u00a0vielfach in der Wirtschaft Anwendung, wurde aber bislang nur selten auf historische Text-Sammlungen angewendet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ziele Das Projekt verfolgt (1.) das Ziel, Repr\u00e4sentationen und Deutungen der Welt f\u00fcr eine Periode zu erforschen, die durch eine enorm beschleunigte Wissenserzeugung und -distribution sowie eine Verflechtung von Nationalisierungs- und Globalisierungsprozessen gepr\u00e4gt wurde. Im Zentrum stehen jene \u201aWeltbilder\u2018, mit denen Kinder und Jugendliche im 19.\/fr\u00fchen 20. Jhd. aufgewachsen sind. 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